Schürf-und Platzwunden bei Kindern - der nahezu täglich präsente Horror für alle Eltern! Aber gewußt wie damit umzugehen, ohne dem Nachwuchs unnötige Schmerzen zu bereiten: das wiederum ist eine dankbare Kunst.

Zunächst sollte die Wunde schonend gereinigt werden; z.B. mit einem sauberen, weichen Tuch und lauwarmem Leitungswasser. Verschmutzte Kleidung muß ausgezogen und eventuelle Fremdkörper (kleine Steinchen, Holzsplitter o.ä.mit einer Pinzette entfernt werden. Anschließend sollte in jedem Fall eine Wunddesinfektion erfolgen, wobei hier mindestens 70%iger Alkohol (Ethanol oder Isopropanol), Jodlösung oder eine wässrige Lösung von Octenidinhydrochlorid (Octenisept R) verwendet werden kann. Anschließend sollte die Wunde mit einer sauberen; möglichst sogar sterilenWundauflage bedeckt und mit einem lockeren, luftdurchlässigen Mullverband (Extremitäten) bzw. Haftverband (Stamm, Hals, Gesicht) versorgt werden. Zu beachten ist unbedingt, daß Wundauflage bzw. Verband nicht auf der Wunde ankleben können (zusätzliche Verwendung von Wundsalben oder nicht haftenden Wundauflagen), da ansonsten bei deren Entfernung die Wunde immer wieder aufgerissen werden kann. Das führt - wie man sich leicht vorstellen kann - sicher nicht zu einer gedeihlichen Kooperation zwischen behandelndem Elternteil und kleinem Patienten; im Gegenteil: die kindlichen Sympathien für den beteiligten Elternteil könnten hierdurch dauerhaften Schaden erleiden...

Die Vorteile in der Anwendung von Octenidinhydrochlorid für die oberflächliche Wunddesinfektion liegen einerseits in dem geringen irritativen Potential der Substanz gegenüber Alkohol oder Jodlösung (Octenisept R brennt lange nicht so stark wie Alkohol, aber auch Jod, wenn in die Wunde gegeben - gerade bei kleinen Kindern ein unschätzbarer Vorteil wie jedes Elternteil weiß, der jemals versucht hat, sich einem auf die Knie gefallenen, brüllenden Dreikäsehoch mit der Jodflasche zu nähern...). Außerdem erzeugt Jod nicht selten Kontaktallergien, was man daran erkennt, daß die Wunde nach einigen Tagen der Behandlung plötzlich eine Färbung aufweist, die weit über die jodtypische, orangerote Einfärbung der Haut sich ins Düsterrot bis Bläuliche verändert und sogar mit Pustelbildungen einhergeht! Dann gibt es oft vor Juckreiz kein Halten mehr und die gerade so schön begonnene Wundheilung wird durch Aufkratzen verzögert.

Nicht zu Vergessen natürlich das irreversible Einferkeln der schönsten - und natürlich immer der teuersten - Anziehsachen unserer kleinen Königskinder; Jodflecken, die auch mit dem intensivsten Waschgang nicht mehr vollständig aus der Kleidung zu entfernen sind...

Wichtig ist nach einer Verletzung in jedem Fall der anschließende Blick ins Impfbuch der Kleinen und - bei stark verschmutzten Wunden oder nicht ausreichendem Impfschutz - die Auffrischung des Tetanus (Wundstarrkrampf-) Schutzes mittels i.m.-Injektionen von jeweils 1 Ampulle Tetagam und Tetanol durch einen Arzt.

Gut beraten sind sicherlich die Eltern, die sich für den Fall der Fälle ein kleines "Notfallset" zusammengestellt haben, welches auch auf die Fahrradtour oder den Weg zum Strand als ständiger Begleiter mitgeführt wird.