Eine schwer behandelbare Hauterkrankung: das chronische Handekzem

Ca. 500.000 Patienten leiden in Deutschland an einem chron. Handekzem.
Das Handekzem ist eine weit verbreitete Hauterkrankung. Schätzungen zufolge sind bis zu zehn Prozent der Gesamtbevölkerung davon betroffen. An der schweren, chronischen Form dieser Erkrankung leiden bis zu sieben Prozent der Betroffenen. Ca. 500.000 Patienten suchen in Deutschland wegen eines Handekzems den Dermatologen auf. Ca. 300.000 Patienten sind dabei von einer schweren, chronisch rezidivierenden Form betroffen, bei denen die klassischen äußerlichen Behandlungen, z.B. mit Cortison keinen nachhaltigen Erfolg mehr versprechen.

Weitreichende soziale und wirtschaftliche Folgen des Handekzems

Patienten mit schwerem Handekzem haben meist einen langen und frustrierenden Leidensweg hinter sich. Häufig leiden sie über Jahre hinweg an entzündlichen Rötungen, Bläschen - und Schuppenbildung sowie schmerzhaften Rissen und Rhagaden der Hände. Dies kann zu einer starken funktionellen Einschränkung der Hände in Beruf und Alltag führen. Studien weisen darauf hin, dass diese Patienten in ihrer Lebensqualität stark beeinträchtigt sind. Die Mehrheit von ihnen leidet unter Schlafstörungen sowie unter emotionaler und sozialer Stigmatisierung. Ca 23 % der Betroffenen müssen wegen des Handekzems ihren Beruf aufgeben. Eine ebenso hohe Zahl muss lang andauernde krankheitsbedingte Ausfallzeiten hinnehmen. Damit stellt das Handekzem, neben der hohen individuellen sozialen und medizinischen Belastung der Patienten, auch ein großes sozialwirtschaftliches Problem dar.

90% aller beruflichen Hautkrankheiten betreffen die Hände.

Das Risiko, ein chronisches Handekzem zu entwickeln, wird stark durch den Kontakt zu Reizstoffen oder Allergenen bestimmt. Dies kann im Beruf, bei Freizeitaktivitäten und bei der Hausarbeit der Fall sein. Bei 90 % aller beruflich bedingten Hauterkrankungen handelt es sich um die Diagnose chronisch-rezidivierendes Handekzem. Die Erkrankung stellt die Hauptursache für Krankheitsausfall und Einkommensverlust im Berufsleben dar. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass fast 20% der Betroffenen mit einem beruflich bedingtem Handekzem längere krankheitsbedingte Ausfallzeiten durchleben und 23% innerhalb der letzten zwölf Monate der Beobachtung deswegen ihre Anstellung verloren hatten. Die Schwere der Erkrankung erwies sich dabei als wesentlicher Risikofaktor. Gerade bei berufsbedingten Handekzemen erstatten in Deutschland die Berufsgenossenschaften (BG) die Behandlungs – und auch Folgekosten. Ca. 40% aller bei der BG gemeldeten Berufskrankheiten stellen Hauterkrankungen dar – 90% davon mit der Diagnose chronisches Handekzem. Im Jahr 2006 sind dadurch 1,2 Mrd. € für die Therapie und Folgekosten (Umschulung, Frühberentung) den Unfallversicherungsträgern entstanden. Eine große Aufklärungskampagne „Die Haut – die wichtigsten 2m2 deines Lebens“ ( www.2m2.de ) wurde daher von BG und Krankenkassen initiiert, um den sozialen wie wirtschaftlichen Folgen des Handekzems frühzeitig entgegenzuwirken.

Symptomatik und Verlauf: langwierig und schmerzhaft

Das Handekzem kann mit leichten, nur sporadisch auftretenden Symptomen beginnen. Die betroffene Haut erscheint zunächst trocken und gerötet. Diese Symptome können an Intensität zunehmen und zu hartnäckigen und dauerhaften Beschwerden führen. Entzündliche Bläschen können auf der gesamt Handoberfläche (sog.“Pompholyx“) oder auch nur an den Fingerkuppen auftreten und einen starken Juckreiz auslösen. Bei längerem, chronisch entzündlichem Verlauf gehen viele Formen in eine durch Schuppung und starker Verhornung (Hyperkeratose) geprägtes chronisches Stadium über mit schmerzhaften Rhagaden und Rissen.

Komplikationen: Infektionen mit Bakterien oder Pilzen

Rhagaden und Risse der Haut stellen ideale Eintrittspforten für Bakterien und Pilze dar. Daher kommt es beim chronischen Handekzem häufig zu Infektionen mit bakteriellen oder Pilzerregern. Die Folge davon sind akute Entzündungen mit eitrigen Pusteln, Krustenbildung und starken Schmerzen. Falls die Fingerspitzen dauerhaft betroffen sind, kann es auch zu einer Verformung der Fingernägel kommen.

Risikofaktoren: Kontaktallergene, Reizstoffe oder Neigung zur Neurodermitis

Abhängig von den Ursachen werden drei Handekzemformen unterschieden: Das irrritativ – toxische Handekzem wird hauptsächlich durch mechanisch- oder chemisch-irritative Einflüsse hervorgerufen (exogene Faktoren), wie zum Beispiel ständige Feuchtarbeit oder Arbeit mit Lebensmitteln, Desinfektionsmitteln, Handschuhen und Ölen.

Das (kontakt-)allergische Handekzem wird dagegen häufig durch Allergene wie z.B. Chrom, Nickel, Biozide oder Latex ausgelöst.

Bei der dritten Form des chron. Handekzems handelt es sich um das sog.“ atopische Handekzem“. Dieses entsteht bei einer genetischen Veranlagung für Allergien wie z.B. Neurodermitis, Asthma, Heuschnupfen unter dem Einfluss innerer und äußerer Auslöser.

Therapie und Management: Begrenzt, unbefriedigend und nebenwirkungsreich

Es existieren bisher keine Leitlinien für die Behandlung des chronischen Handekzems. In der klinischen Praxis wird die Therapie gewöhnlich in mehreren Stufen durchgeführt. Sie beginnt mit einer Anpassung der Lebensführung und mit schützenden Maßnahmen am Arbeitsplatz oder im Alltag, ( z.B. durch das Tragen von Handschuhen). Bei Patienten mit leichtem bis schwer ausgeprägtem Handekzem, bei denen diese Maßnahmen nicht ausreichen oder nicht möglich sind, können neben geeigneten Pflegeprodukten (Handcremes), eine Cortisonbehandlung, Lichtbestrahlung oder Vitamin D-ähnliche Therapeutika zur Anwendung kommen. Ein nicht unerheblicher Anteil der gerade von schweren Formen des chron. Handekzems betroffenen Patienten spricht jedoch nicht auf die genannten Therapieansätze an.

In diesen Fällen setzten wir eine völlig neu entwickelte Behandlung mit speziellen Tabletten ein, welche dem chronischen Handekzem von innen die Grundlage entzieht, indem es gegen die verstärkte Hornbildung der Oberhautzellen vorgeht. Bei dem Medikament (enthält Alitretinoin) handelt es sich um eine Weiterentwicklung des gegen die schwere Form der Schuppenflechte eingesetzte Acitretins, mit dem ansonsten therapieresistente Formen der Psoriasis mit erstaunlichem Erfolg behandelt werden können! Auch bei diesem neuartigen Medikament ist eine sorgfältige hautärztliche Kontrolle in regelmäßigen Abständen unter Einschluss von Blutuntersuchungen erforderlich, während dieser Behandlung muss eine Schwangerschaft ausgeschlossen sein. Bitte informieren Sie sich bei unseren Fachärzten über diese neue, hocheffektive Behandlungsmöglichkeit des schweren, chronisch- rezidivierenden Handekzems!