Neurodermitis: Fragen und Antworten

Ist Neurodermitis eine Allergie?

Nein. Neurodermitis ist keine Allergie. Eine Allergie ist dadurch gekennzeichnet, dass der Körper auf ganz bestimmte Substanzen überempfindlich reagiert, gegen die sogenannten Allergene. Bei Neurodermitis gibt es im Gegensatz dazu keine genau definierten Auslösefaktoren. Ihre Entstehung kann sowohl auf erbliche Faktoren zurückzuführen sein wie auch auf Überempfindlichkeiten zum Beispiel gegenüber Hausstaubmilben oder gegen bestimmte Nahrungsmittel. Vor diesem Hintergrund ist die Neurodermitis häufig mit einer spezifischen Allergie gepaart, die der behandelnde Hautarzt feststellen muss.

Ist Neurodermitis ansteckend?

Nein. Neurodermitis ist nicht ansteckend und wird auch nicht durch Kontakt übertragen. Die Ausbildung des Krankheitsbildes hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter einer erblichen Veranlagung, Umweltfaktoren und Empfindlichkeit gegenüber Allergenen.

Wirkt sich eine lange Stillzeit positiv aus?

Ja. Vor allem Säuglinge, deren Eltern bereits unter Neurodermitis litten, sollten möglichst lange gestillt werden. Die Muttermilch enthält wichtige Abwehrstoffe, die der Entwicklung einer Neurodermitis beim Säugling vorbeugen können.

Ist für die trockene Haut eines Neurodermitikers Duschen besser als Baden?

Eine allgemeingültige Empfehlung auszusprechen ist zwar schwierig, aber generell sollte die Haut nicht zu lange und nicht zu intensiv gewaschen werden. Die Wassertemperatur sollte zwischen 26 und 36 Grad Celsius liegen, denn ein zu heißes Bad fördert den Juckreiz. Ein Bad sollte nicht länger als zehn Minuten dauern. Bei einem längeren Bad wird der Haut Feuchtigkeit entzogen, und der Juckreiz wird stärker. Nach dem Bad sollte die Haut kurz mit lauwarmem oder kaltem Wasser abgeduscht werden. Generell sollte nur klares Wasser ohne Zusätze von Schaum- oder Duschbädern verwendet werden, da sie die Haut austrocknen. Parfümierte Badezusätze können allergische Nebenwirkungen verursachen. Zur Reinigung geeignet sind milde Waschemulsionen, die den Säureschutzmantel der Haut nicht zerstören. Ihr pH-Wert sollte im Bereich des natürlichen Wertes von ca. 5,5 liegen.

Dürfen Neurodermitiker in die Sonne?

Ja. UV-Strahlen wirken positiv und werden teilweise sogar gezielt als Therapie eingesetzt. Sonnenbestrahlung verbessert also generell den Zustand der Haut und lässt Entzündungen schneller abheilen – eine Erfahrung, die viele Neurodermitiker regelmäßig machen, deren Krankheitsbild sich in den Sommermonaten deutlich bessert. Allerdings müssen Neurodermitiker ebenso wie Personen mit gesunder Haut die allgemeinen Gefahren der Sonnenstrahlen berücksichtigen und auf einen ausreichenden Sonnenschutz achten.

Muss der Neurodermitiker auch in den ekzemfreien Perioden ständig die ganze Haut eincremen, sogar die Areale, die nie von einem Ekzem betroffen sind?

Ja. Die Pflege mit rückfettenden Cremes und Salben ist die Basisbehandlung für jeden Neurodermitiker. Im Allgemeinen sollte zweimal täglich eine feuchtigkeitsspendende Behandlung durchgeführt werden. Jeder Betroffene muss dabei gemeinsam mit seinem behandelnden Arzt für sich selber herausfinden, welcher Fettgehalt seiner Haut am besten bekommt.

Ist Neurodermitis heilbar?

Viele Betroffene sind zum Glück mit dem Ende der Pubertät wieder beschwerdefrei, diese Entwicklung kann aber nicht gezielt herbeigeführt werden. Allerdings sollten Patienten versuchen, durch verschiedene Maßnahmen Ihr Wohlbefinden zu steigern und die Anzahl und Schwere von Schüben zu vermindern. Hierzu können zum Beispiel eine regelmäßige Basispflege der Haut und das Tragen vorteilhafter Kleidung aus leichter und weiter Baumwolle zählen. Es ist außerdem möglich, die Anzahl neuer Ekzemschübe durch eine geeignete kortisonfreie Creme maßgeblich zu verlängern. Fragen Sie hierzu Ihren Arzt/Ihre Ärztin. Betroffene sollten jederzeit auf eine schonende und gleichzeitig effektive Behandlung akuter Schübe vorbereitet sein.

Sollte mit der Behandlung eines akuten Schubes so lange wie möglich gewartet werden?

Nein. Im Gegenteil sollte möglichst frühzeitig behandelt werden, um den Teufelskreis eines Schubes aus Juckreiz, Kratzen und Verstärkung des Juckreizes zu durchbrechen. Außerdem bietet eine geeignete kortisonfreie Creme die Möglichkeit, die schubfreien Zeiträume zu verlängern. Voraussetzung ist allerdings, einen Schub bereits beim Auftreten der ersten Anzeichen von Juckreiz und Ekzem zu behandeln. Verschiedene Studien haben bewiesen, dass die frühzeitige Anwendung ein Fortschreiten der Symptome und das Wiederauftreten eines neuen Schubes wirkungsvoll verhindern. Fragen Sie hierzu Ihren Arzt/Ihre Ärztin.

Ist sogenanntes Reizklima an der Nordsee oder in den Bergen schlecht für die Haut des Neurodermitikers?

Nein. Reizklima besitzt einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf. Wichtig ist dabei unter anderem der Wechsel in ein anderes Klimagebiet. So sollte ein Betroffener aus Süddeutschland ruhig auch im Winter an die See fahren, obwohl die Luft dort noch trockener ist als zu Hause. Es wird vermutet, dass sich wegen des Reizklimas alte Hautzellen besser lösen und die Durchblutung sowie die Wärmeabgabe der Haut besser gefördert werden. Das Hautrelief ebnet sich, die Haut wird glatter, und es treten weniger Entzündungen auf. Ein weiterer Vorteil ist, dass am Meer bzw. im Hochgebirge weniger Allergene existieren. Hausstaubmilben zum Beispiel können in einer Höhe über 1.500 Meter nicht überleben.

Vererben Eltern, die Neurodermitis haben, diese Veranlagung auf ihre Kinder?

Ja, zumindest teilweise. Kinder von Neurodermitikern haben ein erhöhtes Risiko, an Neurodermitis zu erkranken. Leidet ein Elternteil unter einer Erkrankung aus dem sogenannten atopischen Formenkreis (hierzu zählen Erkrankung Neurodermitis, Heuschnupfen und allergisches Asthma), so beträgt das Risiko des Kindes, ein entsprechendes Krankheitsbild zu entwickeln, ungefähr 25%. Sind sowohl Vater als auch Mutter Atopiker, so steigt die Wahrscheinlichkeit auf mehr als 50%.

Sollte ein Neurodermitiker generell Sport vermeiden?

Nein. Allerdings sollte nach Möglichkeit eine Sportart gewählt werden, bei der der Schweiß nicht auf der Haut verbleibt. Der Schweiß enthält Salze und Stoffwechselschlacken, die durch feine Hautrisse in die Haut eindringen und Juckreiz auslösen können. Als Sportart bietet sich zum Beispiel Schwimmen an. Schwimmen kann aber zu einer zusätzlichen Entfettung der Haut führen, so dass Neurodermitiker vorher eine Fettcreme auftragen sollten. Auch

gechlortes Wasser kann Schwierigkeiten bereiten, obwohl es die meisten Neurodermitiker gut vertragen. In jedem Falle sollte gechlortes Wasser nach dem Schwimmen abgeduscht werden.

Hat sich die Zahl der an Neurodermitis erkrankten Menschen in den letzten Jahren erhöht?

Ja. Genaue Zahlen gibt es allerdings nicht, da Neurodermitis keine meldepflichtige Erkrankung ist. Schätzungen gehen allerdings davon aus, dass die Hauterkrankung heute zwei bis drei Mal häufiger auftritt als vor 30 Jahren. Die Ursachen hierfür sind nicht bekannt.