Hautkrebs

Es gibt auf der menschlichen Haut eine für Laien unübersichtlich große Vielzahl an potentiellen oder tatsächlich bereits bösartigen Veränderungen, die unbedingt ärztlicher Behandlung bedürfen. Daher ist verständlicherweise die Angst in der Bevölkerung groß, aus einem scheinbar harmlosen Muttermal könne sich sozusagen über Nacht ein bösartiger Hauttumor entwickeln. Gott sei Dank dauert es in der Regel Monate oder Jahre, bevor sich aus gutartigem Gewebe Hautkrebs entwickelt, so dass dieser durch die regelmäßige Wahrnehmung von hautfachärztlichen Vorsorgeuntersuchungen fast immer rechtzeitig erkannt werden kann, bevor es zu einer lebensgefährlichen Metastasierung gekommen ist!

Vorstufen-/ und Frühformen von Hautkrebs:

Die häufigste Frühform von Hautkrebs ist die sogenannte „aktinische Keratose“, aus der sich langfristig (über Jahre oder Jahrzehnte!) ein echtes Karzinom der Haut („Plattenepithelkarzinom“) entwickeln kann. Es handelt sich hierbei um zumeist kleine, rauhe Stellen der Haut (Handrücken, Dekolltee), die leicht schuppen, gerötet sind und beim Darüberfühlen schmerzhaft sind oder sich merkwürdig anfühlen. Typisch für aktinische Keratosen ist, dass sie nicht abheilen, dass sie Krusten bilden und dass sie auf Berührung leicht bluten. Die Behandlung besteht zunächst in der Anwendung immunstimulierender Cremes oder Gele (Solararze ® bzw. Aladara ®) über mehrere Wochen bis Monate. Hierbei stößt das Immunsystem von innen die krankhaften Hautpartien ab, welches sich in einer über die gesamte Behandlungszeit andauernden Rötung und Schuppung der behandelten Hautpartie äußert. Anschließend ist die Haut im Erfolgsfalle wieder glatt und gesund! Andere Möglichkeiten sind die mehrfache Vereisung mit Kälte (Kryochirurgie), die Laserbehandlung oder die operative Entfernung mittels Skalpell. Bei Vorliegen mehrerer aktinischer Keratosen oder eher großflächigen Hautveränderungen, bei denen man von außen die Grenzen des veränderten Gewebes nicht erkennen kann, wenden wir die Photodynamische Therapie (PDT) an.Hierbei wird die betroffene Haut mit einem Lichtsensibilisator (einer Creme, welche die Lichtempfindlichkeit der Haut drastisch erhöht) eingecremt; die betreffenden Hautpartien (z. B. Kopfhaut) werden mit einer Lichtschutzfolie über 2-3 Stunden abgedeckt und anschließend erfolgt eine etwa 30 minütige Bestrahlung mit einem speziellen (wassergefilterten) Infrarot-Licht ( wIRA- Therapie). Die behandelten Hautpartien verkrusten anschließend und die kranke Haut - und damit die Hautkrebsvorstufen- schuppen sich ab (wie bei der Häutung einer Schlange!). Manchmal muss die PDT noch ein- oder zweimal wiederholt werden jedoch stellt sie eine moderne und hocheffektive Therapie von Hautkrebsvorstufen dar, welche eine klassische Operation in der Regel überflüssig macht!

Seltene Hautkrebsvorstufen sind unregelmäßig begrenzte rote Flecken der Haut unterschiedlicher Größe, die z. T. verkrustet sind und aussehen, wie eine nicht heilende Schürfwunde (Morbus Bowen), weißliche Verhärtung im Bereich des weiblichen oder männlichen Genitale (Lichen sclerosus et atrophicus) oder eine ständig entzündete Brustwarze bei der Frau (Morbus Paget). Diese erfordern nach Sicherung der Diagnose zumeist in Form einer Gewebsprobe durch einen kleinen operativen Eingriff (Histologie) spezielle Therapieverfahren! Wichtig ist hier die rechtzeitige Erkennung durch frühzeitige Vorstellung beim spezialisierten Hautarzt!

Der eigentliche Hautkrebs wird grob eingeteilt in schwarzen und hellen Hautkrebs. Neue Forschungserkenntnisse weisen darauf hin, dass schwarzer Hautkrebs wahrscheinlich nicht aus einem vorbestehenden Muttermal(=Leberfleck) durch Veränderung entsteht, sondern sich völlig neu auf der Haut bildet, dann aber zumindestens am Anfang einem Muttermal täuschend ähnlich sieht! (Deshalb ist regelmäßige Hautkrebsvorsorge so wichtig!!) Schwarzer Hautkrebs kann bei sehr jungen Menschen auftreten und bildet sich auch an Stellen, wo kaum jemals Sonne hin scheint (Pofalte, Mundhöhle!). Heller oder weißer Hautkrebs dagegen tritt häufig erst im höheren Lebensalter auf, dann fast immer als Folge einer lebenslang zu hohen UV-Licht Bestrahlung der Haut durch die Sonne oder zu häufige Solariumsbesuche! Man unterscheidet hier zwischen den Basaliomen und den Spinaliomen = Plattenepithelkarzinomen. Basaliome sind in der Anfangsphase auch für den Arzt nur schwer zu erkennen! Es handelt sich um teilweise winzige, hautfarbene Erhebungen der Haut, die sich hart anfühlen, etwas glänzen und manchmal von kleinen roten Blutgefäßen durchzogen sind. Werden Basaliome größer, sehen sie häufig tellerförmig aus, wobei der Tellerrand aus lauter winzigen Knötchen besteht, die wie Perlen aneinandergereiht sind. Wird ein Basaliom nicht rechtzeitig entfernt, zerstört es durch sein Wachstum alles, was ihm in den Weg gerät, sogar Muskeln und Knochen. Es bildet allerdings extrem selten Metastasen. Das Spinaliom oder Plattenepithelkarzinom äußert sich zunächst wie eine kleine, schlecht heilende Wunde. Diese „Wunde“ wird immer größer, fängt an zu nässen und zu verkrusten. Sie wächst in die Tiefe und zerstört hier ebenfalls Bindegewebe und den darunter liegenden Knochen. Plattenepithelcarzinome können an der Lippe und auch in der Mundhöhle auftreten! Sie sollten rechtzeitig operiert werden, um den entstehenden Gewebsdefekt – und damit die verbleibende Narbe – möglichst gering zu halten. Sowohl für den schwarzen, als auch den hellen Hautkrebs werden ursächlich viele Sonnenbrände insbesondere in jungen Lebensjahren (vor dem 15. Lebensjahr) angeschuldigt!

Es ist nicht leicht, einen Hautkrebs selbst zu erkennen. Ein Alarmsignal sollte immer sein, wenn ein vermeintliches Muttermal oder eine andere Hautveränderung neu auftritt und auch nach 3 oder 4 Wochen nicht wieder abgeheilt ist. Auch wenn eine hautfarbene oder rötliche Hautveränderung sich merkwürdig anfühlt, juckt oder immer wieder blutet, ist höchste Aufmerksamkeit geboten!

Schwarzer Hautkrebs, der extrem gefährlich ist, weil er metastasieren kann, auch wenn er selbst nur wenige Millimeter klein ist, zeichnet sich aus durch eine sehr unregelmäßige Begrenzung, durch tief schwarze oder sogar blaue Farbe und durch kleine Ausläuferchen aus der soliden, dunklen Farbzone (wie „Spinnenbeine“). Auch rasches Größenwachstum, Juckreiz oder eine Blutung des Muttermales sind höchste Alarmzeichen.

Grundsätzlich sinnvoll ist ohnehin eine regelmäßige Hautkrebsvorsorge des gesamten Körpers spätestens ab 35 Jahren, die inzwischen alle 2 Jahre sogar von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird!

Hautkrebsvorsorge:

Die modernste und sicherste Art der Hautkrebsvorsorge ist heute die Computergestützte Video-Dermatoskopie. Hierbei wird zunächst der gesamte Körper (auch: Kopfhaut, Augenweiß, Genitalregion, Pofalte) genauestens mit einem speziellen Auflichtmikroskop untersucht und begutachtet. Bestimmte Muttermale werden gekennzeichnet und anschließend mit einer hoch auflösenden Kamera fotografisch festgehalten. Die Bilder werden zum Teil in sehr hoch auflösender Vergrößerung (bis zu 70fach = PC-Bildschirm füllend!) abgespeichert, so dass kleinste Auffälligkeiten sehr viel genauer diagnostiziert werden können, als mit dem bloßen Auge.

Es folgt dann, z. B. 1 Jahr später, die Kontroll- Untersuchung. Es werden die jeweiligen digitalen Fotografien der einzelnen Muttermale nebeneinander gestellt und der Computer vergleicht, ob es in der Zwischenzeit Veränderungen gegeben hat. Sind gravierende Veränderungen eines einzelnen oder mehrer Muttermale festzustellen, wird die sofortige Operation eingeleitet und das Gewebe an ein spezialisiertes, histopathologisches Labor geschickt um einen Hautkrebs auszuschließen oder zu sichern. Je nach Bedarf ist die Angelegenheit damit erledigt oder es sind Folgemaßnahmen erforderlich (2. größere Operation, Bestrahlung, Chemotherapie). Als besonderer Service wird von unserer Praxis ein sog. „Recall-System“ angeboten, über welches die Patienten jedes Jahr per e- mail an ihren Hautkrebsvorsorgetermin erinnert werden. Es besteht sonst die Gefahr, dass dieser lebenswichtige Vorsorgetermin vergessen werden könnte!

Wir empfehlen dringend, die jährlichen Hautkrebsvorsorgetermine spätestens ab dem 35. Lebensjahr konsequent wahrzunehmen! Darüber hinaus ist es wichtig, bei allen unklaren pigmentierten, geröteten oder hautfarbenen Flecken oder bei Knoten der Haut, die neu aufgetreten sind, sich verändert haben oder die sich merkwürdig anfühlen, einen Hautarzt aufzusuchen. Besondere Warnsignale sind umschriebener Juckreiz, Schmerzen beim Darüberfahren mit den Fingern, monatelange oder ganz ausbleibende Abheilung so wie Blutungen! Es ist besser, einmal zu oft als zu selten die Hautarztpraxis aufgesucht zu haben um sich später keine Vorwürfe machen zu müssen, das ein Hautkrebs wegen eines versäumten oder nicht vereinbarten Vorsorgetermins zu spät erkannt und damit lebensbedrohlich wurde!