Vermeintliche Hausmittel für schönes Haar

Es gibt eine Reihe von Alltagsprodukten/Hausmittelchen, denen eine pflegende oder verschönernde Wirkung für das menschliche Kopfhaar nachgesagt wird. Was ist dran und wie ist die Meinung des Haar-Experten dazu?

1. Bier:

Tatsächlich hat Hefe,undinsbesonderedieBierhefe wegen ihres hohen Selen-Gehaltes positive Effekte auf die Struktur und den Glanz der Haare – allerdings nur dann, wenn sie eingenommen, also in Form von Nahrung oder Nahrungsergänzungspräparaten zu sich genommen wird. Äußerlich aufgetragen und in die Haare eingeschäumt soll der Saft aus Hopfen und Malz Geschmeidigkeit und Glanz der Haare aufpeppen! Wer allerdings jemals absichtlich oder aus Versehen ein Glas Bier über Kopf und Haare gegossen bekam wird feststellen, dassder penetrante Geruch nach Kneipe nur äußerst schwerlich wieder herauszuwaschen ist...

Mein Urteil: ungeeignet!

2. Regenwasser:

Ich erlebe immer wieder Patienten,diesichrühmen,dass sie an ihre Haare ausschließlich Regenwasser ließen. Mir ist bis heute verborgen geblieben, worin hier der pflegende oder verschönernde Effekt begründet sein soll! Regenwasser ist reich an Mineralstoffen wie Calcium, Magnesium, Zink und anderen, die – zumindestens gilt das für Zink – bei bestimmten Mangelsituationen und wiederum über den Magen/Darmtrakt resorbiert durchaus positiven Einfluß auf Struktur undWachstum der Haare haben können. Aber pflegende Kräfte von außen auf die Haare sind sicherlich eine mär, wenn auch eine weit verbreitete! Mein Urteil: ungeeignet!

3. Olivenöl:

Schon die antike ägyptische Pharaonin Kleopatra wusste Caesar zu becircen, nachdem sie aus ihrem obligatorischen Schönheitsbad, bestehend aus 4/5 Kamelstutenmilch und 1/5 Olivenöl gestiegen war! Unbestritten ist der hautberuhigende sowie pflegende Effekt von raffiniertem Olivenöl insbesondere für trockene, schuppige Kopfhaut und strapaziertes Haar. Am besten, man macht eine Ölkappe 1-2x/Woche über Nacht und wäscht am nächsten Morgen mit einem milden Shampoo wieder aus. Das Kopfkissen schützt man am besten mit einem Handtuch vor Ölflecken...

Mein Urteil: empfehlenswert

4. Essig:

Diese Empfehlung beruht auf weit verbreiteten Einschätzungen mancher Therapeuten und Heilpraktiker, der Haarboden sei zu basisch (das chemische Gegenteil von sauer) und müsse durch Essig angesäuert werden. Darüber hinaus soll Essig festhaftenden Schmutz und Schadstoffe von der Kopfhaut und aus den Haaren herauslösen. Nachteil der Essigspülungen ist – ähnlich wie beim Bier – dieSchwierigkeit, den „ätzenden“ Geruch mit unendlich viel Wasser wieder herauszuwaschen.

Mein Urteil: gänzlich ungeeignet

5. Zitronensaft:

Die Grundlage für diese Empfehlung ist ähnlich wie beim Essig. Nur ist er viel leichter auszuwaschen. Die Wirkung ist ebenfalls äußert fraglich.

Mein Urteil: ungeeignet

6. Ei:

Insbesondere Eigelb enthält eine ganze Reihe von biologisch aktiven Substanzen wie z.B. die Lecithine. So sind eine ganze Reihe von kommerziell erhältlichen Pflegeprodukten für das Haar auf Ei-Basis aufgebaut! Ein Problem ist die große Klebrigkeit von Eiweiß und Eigelb, welche nur unter Anwendung verhältnismäßig aggressiver Shampoos aus den Haaren wieder ausgewaschen werden können. Auch die Kosten für eine Kur mit rohen Eiern sind sicherlich um Einiges höher als bei der Verwendung kosmetischer Haarpflegeprodukte. Mein Urteil: begrenzt geeignet

7. Kamillentee:

Extrakte aus der Kamillenblüte haben eine nachgewiesene entzündungslindernde und hautberuhigende Wirkung. Diese kommt gereizter und geröteter Kopfhaut zugute. Nachweisbar spezifisch pflegende Eigenschaften für das Haarkeratin gibt es allerdings nicht. Und Vorsicht: Kamille kann bei entsprechend veranlagten Personen (Heuschnupfen, Asthma, Neurodermitis) heftige Allergien auslösen!

Mein Urteil: ungeeignet

8. Bananen:

Zu Brei zerquetscht und in das Haar geschmiert soll diese Frucht- Naturpackung Wunder für die Haare bewirken!

Mein Urteil: Unsinn

9. Süßstoff:

Mir ist keinerlei Beobachtung oder ernsthafte Studie bekannt, die auch nur den geringsten positiven Effekt von synthetischem Süßstoff auf die Struktur oder das Wachstum der Haare gezeigt hätte!

Mein Urteil: vollständig ungeeignet

10.Kaffee:

Der Hauptwirkstoff des Kaffees, das Coffein, hat eine durchblutungsfördernde Wirkung auf die kleinen und großen Blutkapillaren der Kopfhaut und der Haarwurzeln! Daher wird Coffein (und mit ihm verwandte Sustanzen) seit einigen Jahren zunehmend in Shampoos und Haartherapeutika eingearbeitet. Durch die Anwendung solcher Produkte – und das gilt natürlich auch für den Kaffee in Reinform – kann bei längerfristiger Anwendung nicht nurHaarausfall verlangsamt und die Struktur des Einzelhaares verbessert werden, sondern in begrenztem Umfang kann sogar das Neuwachstum von Haaren angeregt werden. Voraussetzung ist die kräftige und langanhaltende Massage Coffeinhaltiger Produkte in die Kopfhaut.

Mein Urteil: begrenzt geeignet

Fazit:

Aber warum diese im Haushalt bzw. in der Natur vorkommenden Produkte für die eigene Haarpflege zweckentfremden, wenn heute eine Vielzahl von optimal auf den individuellen Haar- und Kopfhauttyp abgestimmte, hochwertige und häufig nicht unbedingt teure Haarpflegeprodukte zur Verfügung stehen?

Ich empfehle meinen Patienten, die sich wegen Haarproblemen oder Störungen der Kopfhaut in meiner Schwerpunktpraxis für Haarerkrankungen vorstellen nicht nur Haartherapeutika und Pflegeprodukte aus eigener, mehr als 10jähriger Forschung und Entwicklung, sondern kann auf eine breite Palette hochwertiger medizinisch- kosmetischer Produkte auch anderer Firmen verweisen, die nicht selten biologisch aktive Naturstoffe pflanzlicher oder mineralischer Herkunft enthalten.

Anders ausgedrückt: warum Eigenurin benutzen (den sich mancher auch in die Haare schmiert...), wenn es heute hochgereinigte, harnstoff (=Urea-)haltige Pflegeprodukte – übrigens auch in Form moderner Shampoos gibt?