Wie ändert sich die Haarstruktur mit zunehmendem Lebensalter?

1. Die Struktur des menschlichen Haares wird von ganz unterschiedlichen Faktoren

beeinflusst – äußerlichen und inneren. Zu den äußerlichen Faktoren gehören Pflegeprodukte, Häufigkeit und Intensität der Haarwäsche, chemische Einflüsse (Strähnchen, Tönung, Färbung, Chlorwasser in Schwimmbädern etc.) mechanische Einflüsse (starker Zug z. B. durch Pferdeschwanz- oder Dutt-Frisuren, ständiges Tragen von Schutzhelmen), thermische Einflüsse (heißes Föhnen, Dauerwelle oder auch der Einfluss von ultraviolettem Licht z. B. durch ständige Sonnenexposition oder durch Solarien). Zu den inneren Faktoren gehören ausreichend Schlaf, angemessene Flüssigkeitszufuhr durch ausreichendes Trinken, ausgewogene und vitaminreiche Ernährung, Zustand der Blutgefäße (beeinträchtigt durch Rauchen, Arteriosklerose bei zu fettem Essen), ausgeglichene Schilddrüsenfunktion, ausgewogener Hormonstatus (Gleichgewicht zwischen der weiblichen und der männlichen „Hormonschiene“), die Abwesenheit innerer Erkrankungen bzw. gastro-intestinaler Störungen (z.B. Resorptionsstörung für bestimmte Spurenelemente wie Zink oder Eisen sowie die Abwesenheit von Medikamenten, die sich negativ auf die Haarstruktur bemerkbar machen könnten (z.B. Betablocker, Lipidsenker, bestimmte Antidepressive, Marcumar oder Zytostatika. Eine Änderung der Haarstruktur im Laufe des Lebens kann mit einer Änderung all dieser Faktoren entweder einzeln oder in Kombination ausgelöst werden. Meistens erfolgt die Änderung eher von kräftigem zu feinem Haar, von glänzendem zu stumpfen, von glattem, seidigen zu stumpfen, strohigem Haar, von eher lockigem zu dünnem, an der Kopfhaut anliegendem Haar, von locker luftigem zu fettigem, schmierigen Haar als umgekehrt.

2. Unterschiede zwischen Männern und Frauen bestehen in der Haardicke (Männer haben in der Regel kräftigere Haare als Frauen) und in der Anfälligkeit gegenüber Pflegefehlern. Da Männer in der Regel kürzere Haare haben als Frauen machen sich Pflegefehler deutlich weniger stark auf die Haarstruktur bemerkbar als bei Frauen. Auf der anderen Seite reagiert das männliche Haar (insbesondere im Oberkopfbereich) empfindlicher auf hormonelle Einflüsse als das Haar der Frau. So entwickeln mindestens 50% aller Männer im Laufe ihres Lebens einen hormonell bedingten Haarausfall bis hin zur Teilglatze oder Glatze; bei Frauen sind es lediglich knapp 25% und eine typische Glatze entwickelt sich bei Frauen in aller Regel nicht! Mit zunehmendem Alter werden insbesondere bei der Frau die Haare dünner und feiner, was an einer Verschiebung des Gleichgewichtes zwischen weiblichen und männlichen Hormonen liegt. Der immer stärker werdende Einfluss der männlichen Hormone (insbesondere in und nach den Wechseljahren) führt zu einer zunehmenden „Miniaturisierung“ der einzelnen Haarwurzeln und damit zu einem dünneren und feineren Nachwachsen der Haare. Natürlich spielen auch die anderen äußerlichen und inneren Faktoren mit zunehmendem Lebensalter eine steigende Rolle bezüglich der Haarstruktur wie z. B. eine Strapazierung durch falsche Pflege oder das lebenslange Ausgesetztsein den UV-Strahlen gegenüber.

3. Auch die Struktur sowie die Haardichte am Körper ändert sich mit zunehmendem Lebensalter. So bekommen z. B. Frauen, welche ihr Haupthaar hormonbedingt zunehmend verlieren, am Körper einen vermehrten und kräftigeren Haarwuchs insbesondere an Stellen, wo sie diese nicht haben wollen (z.B. Arme, Beine, Bauch- oder Brustbehaarung bis hin zum Bartwuchs). Auch für Männer gilt, dass bei Vorliegen eines erblich bedingten Haarausfalles („männliche Glatzenbildung“) häufig die Barthaare und die Körperbehaarung im Gegenzug kräftiger und dichter werden. Grund hierfür ist eine unterschiedliche Hormonsensibilität von Haarwurzeln je nachdem, an welcher Körperstelle diese lokalisiert sind; auf dem Oberkopf führt der Einfluss männlicher Hormone (insbesondere DHT=Dihydrotestosteron) zur Schrumpfung der Haarwurzel; im Bartbereich oder am Körper fördern und kräftigen männliche Hormone im Gegenteil sogar das Haarwachstum! Für beide Geschlechter gilt, dass die Schambehaarung und Achselbehaarung mit zunehmendem Lebensalter dünner wird oder teilweise ganz ausfällt, bei Männern nimmt die Körperbehaarung altersbedingt eher ab; bei Frauen mit zunehmendem Alter eher zu.

4. Die Haarfarbe wird genetisch determiniert. Sie ist abhängig von der erblich vorgegebenen Ausstattung des Körpers mit Eumelamin (vorwiegend in schwarzem oder dunkelbraunem Haar enthalten) oder Phäomelanin (vorwiegend in rotem oder rotblondem Haar enthalten). Diese erblichen Faktoren bestimmen, ob der Mensch rothaarig, eher blond oder eher dunkelhaarig durchs Leben geht. In der Regel entspricht die Farbe der Körperhaare der des Kopfhaares, lediglich die Helligkeit oder Farbintensität unterscheidet sich voneinander. Unterschiede in der Haarfarbe sind hierbei nicht allein durch den molekularen Melanintyp (Eumelamin oder Phäomelanin) bedingt, sondern auch durch den Pigmentgehalt (also die Menge des jeweiligen Melanis pro Haar), durch die Dicke des Haares (je dünner, desto heller das Haar), durch die Größe der Melanosomen (=Pigmentgranula in den Melanozyten), durch Lufteinschlüsse im Haarkeratin. So sind

-blonde Haare in der Regel dünner als schwarze Haare; enthalten weniger Pigment (meist Phäomelanin)

-rote Haare sind deutlich kräftiger und enthalten sehr viel Pigment (ebenfalls Phäomelanin)

-braune Haare können sehr unterschiedlich sein, sowohl was die Dicke, als auch die Pigmentstruktur angeht. Es gibt „dunkelblonde“ (blond-braune) Haare; es gibt rotbraune Haare, es gibt dunkelbraune Haare in denen jeweils unterschiedliche Anteile von Eumelamin und Phäomelanin nachzuweisen sind.

-schwarze Haare sind in der Regel dick und kräftig; enthalten viel Melanin in der Regel vom Eumelamin-Typ.

Es ist nicht selten so, dass z. B. bei blondem Haupthaar die Achsel- und Schambehaarung deutlich dunkler erscheint als das Haupthaar. Bei einer chemischen Analyse würde man allerdings einen identischen Melanintyp nachweisen. Dass Jemand rotes Haupthaar und blondes Schamhaar oder umgekehrt entwickeln würde ist nahezu ausgeschlossen. Interessant hierbei ist, dass die Haarfarbe des Menschen kurz nach der Geburt häufig anders ist als im späteren Leben: Schaut man sich Kinderfotos an, ist der Betreffende darauf z.B. mit blonden Locken zu sehen. Im späteren Lebensalter jedoch weist der entsprechende Mensch sein ganzes Leben hindurch dunkelbraune, eher glatte Haare auf! Die Gründe für diese lebensalterabhängigen Veränderungen sind bis heute nicht restlos aufgeklärt!

5. Geringfügige Änderungen der Haarstruktur macht jeder Mensch im Laufe seines Lebens durch. Je schonender mit den Haaren umgegangen wird, desto länger bleibt eine normale, gesunde Haarstruktur erhalten. Eine der wichtigsten altersbedingten Veränderungen der Haare ist das Grauwerden! Dieses beginnt normalerweise im 4. Lebensjahrzehnt bei Männern und bei Frauen; jedoch gibt es Menschen, die bereits mit Anfang 20 beginnen, grau zu werden. Das Ergrauen betrifft nicht nur die Kopfhaare. Ursache hierfür ist eine verringerte Produktion von Melanosomen („Pigmentkörperchen“) durch die pigmentproduzierenden Zellen der Haarwurzel, die sog. „Melanozyten“. Der Grund hierfür liegt wahrscheinlich in einer mit dem Alter abnehmenden Aktivität eines bestimmten Enzymes, der Tyrosinase (macht aus Pigmentvorstufen das Pigment für Haut und Haare....).

Eine weitere Veränderung, ist die „Miniaturisierung“ der Haarfollikel so dass eine abnehmende Anzahl von kräftigen Terminalhaaren mit zunehmendem Alter zu beobachten ist und eine Zunahme der sog. „Lanugo-Haare“=Babyhaare. Hierdurch erscheint die Anzahl der Haardichte deutlich geringer, obwohl die Anzahl der Haare eigentlich gleich bleibt.

6. Aktuelle Tendenzen in der Haarforschung sind:

a) Isolierung und molekularbiologischer Nachbau des „Genschalters“, welcher dafür verantwortlich ist, wann der eine Mensch im Laufe seines Lebens erblich bedingten Haarausfall entwickelt und der andere nicht. Die Forschung ist hier bereits relativ weit vorausgeschritten und sowohl der Genlocus (auf welchem Chromosomen die erbliche Veranlagung verankert ist), als auch die molekulare Struktur dieses Genschalters sind weitgehend aufgeklärt. Daraus versuchen die Wissenschaftler gerade Möglichkeiten abzuleiten, wie der genetische „Lichtschalter“ für Haarausfall ein – oder ausgeschaltet werden kann. Noch ist das allerdings „Zukunftsmusik“

b) Ein weiterer Forschungsansatz besteht darin,, Haare aus Operationspräparaten der Kopfhaut zu isolieren (ist einfach möglich) oder mit aus der Kopfhaut gezupften Haaren zu arbeiten und hieraus verschiedene Zellpopulationen im Reagenzglas anzuzüchten (Keratinozyten der Wurzelscheide, dermale Fibroblasten aus der Haarwurzel, Melanozyten aus der Harwurzel, sog. Bulbuszellen oder Stammzellen des Haares). Aus einer Kombination dieser Zellen versucht man, im Reagenzglas ein neues Haar zusammenzubauen, um Haare sozusagen zu vervielfältigen. Ziel ist es, aus wenigen isolierten Haaren des Menschen im Reagenzglas viele Haare zu produzieren, um diese Haare dann rückzutransplantieren! Bisher ist nur möglich, Haare aus dem Hinterkopf zu entnehmen und in kahle Stellen im Vorderkopf einzupflanzen. Hier hätte man die Möglichkeit, aus wenigen Originalhaaren eine Vielzahl von Haaren zu bilden und damit die Hardichte auf der Kopfhaut deutlich zu erhöhen. Praktiziert wird das heute schon bei Verbrennungswunden, die mit Hautzellen gedeckt werden, welche aus den Haarwurzeln des Patienten selbst vervielfältigt werden!