Allergien nehmen zahlenmäßig zu - nicht nur in Deutschland! Das zeigen sowohl die immer volleren Wartezimmer der allergologisch tätigen Fachärzte, sondern diese Tendenz wird eindeutig auch durch zahlreiche wissenschaftliche Publikationen bestätigt! Ursachen hierfür sind nach wie vor nicht bekannt. Manche Forscher glauben, dass durch Umwelteinflüsse die biologischen Strukturen wie z.B. Baum- oder Getreidepollen so verändert werden, dass unser Immunsystem sie als gefährlich einstuft und deshalb Abwehrreaktionen auslöst. Die Allergien werden daher heute manchmal in die Gruppe der „modernen Zivilisationskrankheiten“ eingeordnet.

 

Welche Arten von Allergien gibt es?

Man unterscheidet verschiedene Arten von Allergien. Die folgenden vier Gruppen sind besonders wichtig:

  1. Inhalationsallergien gegen Substanzen, welche über die Atemluft aufgenommen werden (Heuschnupfen und allergisches Asthma)
  2. Kontaktallergien wie die Modeschmuck- oder Duftstoff-Allergie
  3. Lebensmittelallergien z.B. gegen Nüsse oder Erdbeeren
  4. Insektengift – oder Medikamentenallergien.

Unter diesen Allergien gibt es Mischformen: so treten bei Heuschnupfenpatienten, die auf Baumpollen reagieren, nicht selten sog. „Kreuzreaktionen“ auf bestimmte Lebensmittel wie grüne Äpfel und Kernobst auf. Bei bestimmtem Allergien auf exotische Früchte kann es manchmal sogar auch zu Kreuzreaktionen mit Latex kommen. Menschen mit Heuschnupfen ist häufig nicht bekannt, dass ein Übergang in das wesentlich gefährlichere Asthma bronchiale droht, sodass eine grundsätzliche ärztliche Empfehlung existiert, einen bestehenden Heuschnupfen zu behandeln!

 

Welche Allergietests werden im MVZ Dr. Schaart durchgeführt?

Ein erster Schritt modernen Allergiemanagements ist zunächst die exakte Diagnosesicherung. Hierbei spielt die besonders ausführliche und genaue Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) eine besondere Rolle: zu welcher Jahreszeit treten die Beschwerden auf, sind nur die Nasenschleimhäute (Fließschnupfen) oder auch tränende Augen betroffen oder liegt sogar eine zeitweilige Atemnot vor. Treten die Beschwerden überwiegend nur im Freien oder auch in geschlossenen Räumen das ganze Jahr über auf (wie bei Hausstaubmilben- oder Pilzsporen-Allergien).

 

In einem zweiten Schritt erfolgt dann die ambulante Allergietestung in der Praxis:

  1. Ein Prick-Test bei Verdacht auf Heuschnupfen oder Asthma. In der Regel auf dem Unterarm werden in vorbereitete Testfelder kleine Tropfen der zu testenden Allergene (standardisierte Extrakte aus Baum-, Gräser- und Getreidepollen, Wiesenkräutern, Pilzsporen, Tierhaaren und Hausstaubmilben) aufgebracht und mit winzigen Messerchen bis in die Oberhaut durchstochen. Eine positive Testreaktion äußert sich nach 20-30min. in Form einer deutlich sichtbaren Quaddel. Untermauert wird das Testergebnis durch eine parallel durchgeführte Blutabnahme, mit der spezifische IgE-Antikörper gegen die jeweiligen Antigene gemessen werden. Die kombinierten Messwerte aus Haut- und Bluttest ergeben ein sehr zuverlässiges Resultat, welches zur Grundlage für eine genaue Therapiestrategie wird! Sinnvoll ist ein Prick-Test immer bei Vorliegen einer Neurodermitis, weil diese angeborene Hautkrankheit durch bestimmte Inhalationsallergien – wie z.B. die Milbenallergie – ausgelöst oder getriggert werden kann!
  2. Ein Epicutantest bei Verdacht auf eine Kontaktallergie. Dieser liegt z.B. vor, wenn immer nach dem Spülen von Geschirr und Metalltöpfen mit bloßen Händen ein hartnäckiges Handekzem auftritt oder wenn Jeansknöpfe und Modeschmuck juckende Hautreaktionen auslösen (Nickelallergie). Auch wiederholtes Auftreten von rötlich-schuppenden Gesichtsekzemen um die Augen oder den Mund herum können Hinweis auf eine Allergie gegen Duft- oder Konservierungsstoffe in den verwendeten Kosmetika sein. Für den Test werden auf dem Rücken eine Vielzahl von Testkammern aufgeklebt, welche diejenigen Substanzen enthalten, auf die statistisch gesehen besonders viele Menschen allergisch reagieren. Die Testreaktionen auf der Haut (Rötung, Schwellung oder Bläschen) werden nach 24 und 72 Stunden in der Praxis abgelesen; während dieser Zeit darf weder geduscht, noch gebadet werden! Bei gezielter Fragestellung sind durch den Epicutantest auch Allergien gegen Zahnstoffe, Friseurstoffe oder die selbst verwendeten Kosmetika möglich!
  3. Ein Intracutantest bei Verdacht auf eine Lebensmittelallergie. Wegen der Vielzahl der zu testenden Allergene werden in der Regel auf dem Rücken in vorher markierte Testfelder die zu messenden Allergenextrakte aufgeträufelt (z.B. aus Nüssen, Obstsorten, Gemüse, Gewürzen, Fleisch, Fisch, Schalentieren) und die Tropfen mit feinen Nadeln durchstochen – bis in etwas tiefere Hautschichten, als beim Prick-Test. Auch hier äußert sich die positive Testreaktion nach 20-30min. in Form von deutlich sichtbaren Quaddeln. Vervollständigt wird das Testergebnis durch eine parallele Blutabnahme, in welcher die spezifischen IgE-Werte gemessen werden. Ein negativer Allergietest schließt eine Lebensmittelallergie sehr zuverlässig aus – wichtig für die vielen Betroffenen, deren Lebensqualität durch falsch diagnostizierte, angebliche Lebensmittelunverträglichkeiten massiv beeinträchtigt ist!
  4. Der reine Bluttest (RAST oder EAST) bei Verdacht auf eine Insektengift- (Biene, Wespe) oder Medikamentenallergie (z.B. gegen Antibiotika oder bestimmte Schmerzmittel). Bei beiden Allergien ist auch ein Hauttest möglich, der für die niedergelassene Praxis aber zu gefährlich ist und daher in der Regel nur im Krankenhaus durchgeführt wird.
  5. Ähnliches gilt für den Provokationstest bei dem Verdacht auf Inhalations-, Lebensmittel- oder Medikamentenallergien. Hier wird das vermutete, allergieauslösende Allergen unter Bereitstellung von Notfallmaßnahmen verabreicht und die auftretende Reaktion beobachtet bzw. gemessen.

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten von Allergien gibt es?

Ist aufgrund der durchgeführten Allergietestungen klargestellt, ob überhaupt eine Allergie vorliegt und wenn ja, wogegen, wird der allergologisch ausgebildete Facharzt die genaue Therapieplanung vornehmen und besprechen. Während bei Kontaktallergien , bei Medikamenten- und bei vielen Lebensmittelallergien – so selten diese auch vorkommen – die absolute Vermeidung des zukünftigen Kontaktes/Genusses angezeigt ist, stehen für den Heuschnupfen, das allergische Asthma und für die Insektengiftallergien moderne und hocheffektive Behandlungsstrategien zur Verfügung, welche – sofern ausreichend lange angewendet – die vollständige Abheilung der Allergie zur Folge haben können!

Hier ist insbesondere die Hyposensibilisierung (auch Desensibilisierung genannt) zu nennen; eine Behandlung, durch die der Körper regelmäßig über einen Zeitraum von ca. 3 Jahren mit kleinen Mengen der allergieauslösenden Substanz konfrontiert wird und nach einer gewissen Zeit – manchmal schon nach einem Jahr der Therapie – einfach nicht mehr darauf reagiert. Die Hyposensibilisierung steht heute in zwei verschiedenen Varianten zur Verfügung:

  1. als klassische “Spritzen – Hyposensibilisierung“ (subcutane Immuntherapie = SCIT) sowie
  2. als moderne „Unter die Zunge – Hyposensibilisierung“ (sublinguale Immuntherapie = SLIT).

Die Erfolgsquote beider Immuntherapien nähert sich immer weiter an, wobei nach wie vor die SCIT immer noch etwas effektiver erscheint. Bei der Spritzen-Hyposensibilisierung (a) werden die ersten Injektionen mit feinen Nadeln unter ärztlicher Aufsicht  in kürzeren Abständen unter die Haut des Oberarmes gegeben; anschließend muss die betreffende Person mindestens 30 min.in der Praxis verweilen, damit auf eine eventuell stärkere Reaktion angemessen reagiert werden kann. Ist nach etwa 3-4 Wochen die Erhaltungsdosis erreicht, werden die Spritzen im Abstand von 4-6 Wochen verabreicht. Nach 3 Jahren wird erneut ein Allergietest durchgeführt, um das Therapieergebnis zu kontrollieren und um zu entscheiden, ob die Behandlung ggf. um ein weiteres Jahr verlängert werden muss. Bei der sublingualen Hyposensibilisierung werden Immuntabletten oder –tropfen (z.B. bei Allergien gegen Gräser/Getreide, gegen Birke/Erle/Hasel oder gegen die Hausstaubmilbe) von den Betroffenen selbst 1xtäglich unter die Zunge gegeben, bis sie sich komplett aufgelöst haben; anschließend wird abgeschluckt. Die zunehmende Unempfindlichkeit des Immunsystems wird in diesem Fall über die Mundschleimhaut – bzw. Teilweise auch über die Darmschleimhaut – vermittelt.

Beiden Hyposensibilisierungsformen ist gemein, dass hierdurch nicht nur die Schwere der Allergiesymptome ganz wesentlich gemildert werden kann, sodass in der Regel deutlich weniger Allergiespray oder antiallergische Tabletten verbraucht werden. Nicht selten kommt es darüber hinaus zu einer kompletten Ausheilung der behandelten Allergie und damit verbunden häufig zu einer Ausschaltung der assoziierten Lebensmittel-Kreuzallergien. Personen, denen der Genuss von Äpfeln, Pfirsichen oder Kirschen vorher unmöglich war können diese Früchte plötzlich wieder unbeschadet genießen. Viel entscheidender aber ist die Tatsache, dass durch eine gezielte Hyposensibilisierung der immer drohende Übergang eines Heuschnupfens in das wesentlich gefährlichere Asthma bronchiale verhindert und dass die tödliche Gefahr durch einen Wespen- oder Bienenstich ausgeschaltet werden kann!